Von Wolfgang Grubert
Auf dem Bahnhofsvorplatz in Dahlhausen unterhalten sich Menschen in altmodischen Kleidern und Hosen, ein Mann in Uniform und mit Hakenkreuz-Armbinde marschiert auf und ab, ein Mercedes der Nobelklasse aus den 20er, 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wird vor den Eingang des Bahnhofs geschoben, ein Ordner ruft "Ruhe! Aufnahme!", der Kamerawagen fährt heran, ein Chauffeur springt aus der Luxuslimousine und hält die Beifahrertür auf, eine gut aussehende junge Dame steigt aus und schreitet, von ihrem Chauffeur begleitet, in den Dahlhauser Bahnhof, der heute „Laupheim“ heißt.
In Laupheim beginnt die Geschichte des Films, denn in dieser Stadt wuchs die deutsche Hochspringerin Gretel Bergmann auf, von der der Film erzählt. Bei den olympischen Spielen 1936 in Berlin gehörte die damals 22-jährige zu den Medaillenanwärterinnen, erst kurz zuvor hatte sie mit 1,60 Metern einen neuen deutschen Rekord gesprungen. Doch die Nazi-Machthaber verhinderten ihre Olympia-Teilnahme, der Grund: Gretel Bergmann ist Jüdin. Statt ihrer schickten die Nationalsozialisten eine Konkurrentin, die in Wirklichkeit ein Mann war, in den Wettkampf.
Gretel Bergmann wanderte in die Vereinigten Staaten aus und gewann dort 1937 und 1938 die nationalen Meisterschaften im Hochsprung und 1937 im Kugelstoßen. Bis heute lebt die 94-jährige in New York.
Verfilmt wird das Schicksal der Athletin von der Gemini Film Produktionsgesellschaft Köln mit so bekannten Schauspielerinnen und Schauspielern wie Karoline Herfurth, August Zirner, Axel Prahl und Thomas Thieme.
Leider war von Gemini - auch mit einer schriftlichen Anfrage - nicht zu erfahren, welche Szenen in Dahlhausen gedreht wurden. "Das dürfen wir auf keinen Fall verraten", war die Antwort. Warum diese Geheimnistuerei, ist uns verborgen geblieben.
Bekannt dagegen wurde, dass die Filmgesellschaft gern auch in der ehemaligen Gastronomie des Dahlhauser Bahnhofs gedreht hätte, doch von Besitzer Josef Janorschke gab es dafür keine Erlaubnis. Durchaus verständlich, denn als Schauplatz für einen Spielfilm taugen diese dank Janorschke inzwischen herunter gekommenen Räumlichkeiten nun wirklich nicht. Viel eher ließe sich hier ein Skandal dokumentieren, wie ein verantwortungsloser Investor ein historisches Bahnhofsgebäude, das den Kern eines Stadtteils ausmacht, verfallen lässt.