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Warvin Atruschi (18)
Zuerst nach Schweden, dann nach England

„Ich liebe Sprachen und ganz besonders Englisch“, sagt Warvin Atruschi, „deshalb ist es mein großer Traum zumindest eine Zeitlang mal in einem englischsprachigen Land zu leben und zu arbeiten.“ Neben Englisch und Kurdisch, ihrer Muttersprache, spricht die im Nordirak geborene Kurdin noch Deutsch und Französisch. Unbedingt möchte sie auch Schwedisch lernen, denn Warvin hat einen weiteren Traum, der möglichst bald in Erfüllung gehen soll: Sie will nach Schweden ziehen - zu ihrem Freund, wie sie Wolfgang Grubert verraten hat.

Englisch finde ich eine so wunderbare Sprache, dass ich sehr gerne einmal in einem Land, in dem Englisch gesprochen wird, arbeiten möchte. Bisher war ich noch in keinem dieser Länder, aber ich habe hier in Deutschland schon öfter Engländer getroffen und mich mit ihnen unterhalten, es waren sehr nette Menschen. Wenn alle Engländer so sind wie diese, würde ich mich in England wohl fühlen. Natürlich reizen mich auch die Vereinigten Staaten oder Australien, doch in diesen Ländern eine Arbeit zu finden und für sie eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen soll sehr schwer sein.

Es gibt allerdings noch einen näher liegenden Traum für mich. Wenn ich die Schule hinter mir habe, möchte ich zu meinem Freund nach Schweden ziehen und mit ihm dort zusammenleben. Er ist auch Kurde, hat eine Ausbildung als Automechaniker gemacht und arbeitet jetzt in dem Restaurant, das seinem Vater gehört. Später möchte er auf jeden Fall sein eigenes Geschäft eröffnen, wahrscheinlich wird es auch ein Restaurant sein, am liebsten mit einer internationalen Speisekarte. Dass ich heute so gut Englisch spreche, habe ich vor allem ihm zu verdanken, denn wir unterhalten uns nur auf Englisch. Er spricht noch besser als ich Englisch, dafür ist sein Kurdisch mit einem so starken Akzent durchsetzt, dass ich ihn kaum verstehen kann.

Die Liebe ist der eine Grund, weshalb ich in Schweden leben möchte. Es gibt aber noch einen anderen. Auch wenn es mir in Deutschland gefällt, meine beruflichen Chancen schätze ich hier nicht allzu hoch ein. Anders dagegen in Schweden. Von meinen Tanten und meinen Cousinen, die in Stockholm leben, weiß ich, dass man dort als Migrant sehr viel Unterstützung bekommt. Eine Tante z. B. hat im Irak studiert, in Schweden angekommen konnte sie sofort einen Sprachkurs besuchen - die Teilnahme an so einem Kurs war damals schon in Schweden verpflichtend. Nachdem sie die Sprachprüfung bestanden hatte, boten sich ihr sogleich Möglichkeiten sich weiterzubilden, sodass sie innerhalb relativ kurzer Zeit in ihrer neuen Heimat als Lehrerin arbeiten konnte. Daran sieht man, dass Migranten in Schweden aufgrund vieler Bildungs- und Weiterbildungsangeboten schnell beruflich Fuß fassen können.

Und wie war das in Deutschland, als meine Eltern vor 12, 13 Jahren hierhin kamen? Meine Mutter hat auch studiert, und zwar Psychologie, und war Universitätslehrerin im Irak. Sie wollte auch einen Sprachkurs in Deutschland besuchen und hatte deshalb einen Antrag auf Förderung gestellt, doch er wurde abgelehnt. Ebenso erging es meinem Vater, er hat dagegen prozessiert, fünf Jahre lang, vergeblich. Am Ende musste mein Vater für die gesamten Prozesskosten aufkommen. Meine Eltern haben dann für einige Monate an einem Sprachkurs, den sie selber bezahlen mussten, teilgenommen, länger war ihnen aus finanziellen Gründen nicht möglich. Inzwischen beherrschen sie natürlich die deutsche Sprache, aber sie haben sie sich selber beigebracht, ohne irgendwelche Unterstützung.

In Deutschland sehe ich keine Zukunft für mich. In Schweden kann ich, zusammen mit meinem Freund, etwas Neues ausprobieren und ich werde die Chancen, die sich mir dort bieten, nutzen. Darauf freue ich mich schon. Und später vielleicht werde ich mir eine Arbeit in Großbritannien suchen oder vielleicht auch in den USA oder Australien. Natürlich nur zusammen mit meinem Freund, denn mein Freund gehört mit zu meinem Traum.


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