| | Recep Ülkü, 20 Jahre |
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Auf der Suche nach dem Regiestuhl
Schon als Kind stand für Recep Ülkü fest, dass er später einmal hinter der Kamera stehen wird. Am liebsten als Regisseur und als Beruf. Sollte sich jedoch dieser Traum nicht erfüllen, will er das Filmen zu seinem Hobby machen. DiDah-Redakteur Wolfgang Grubert hat er auch bereits das Thema seines ersten Films verraten: Es geht um Geschichten von Einwanderern und deren Familien, also um ein Thema, das auch ihn betrifft.
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(Foto: Ahmet Aygun)
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Der Film soll von der Einwanderergeneration meines Vaters handeln, von denen, die damals vor 30, 40 Jahren ins Ruhrgebiet kamen. Ich will von meinen Eltern erzählen, von meinen Geschwistern und von mir, von unseren Freunden und deren Familien, von unseren Nachbarn und von Kollegen. Es soll ein Spielfilm werden, in dem Einwandererschicksale, authentische Fälle, gezeigt werden.
Ein Drehbuch gibt es noch nicht. Aber Ideen habe ich viele, ungefähr so viele wie Geschichten von Einwandererfamilien. Ich habe sie gesammelt und die Kunst wird sein, eine Story zu entwickeln, die die verschiedenen Schicksale miteinander verknüpft.
Als mein Vater 1973 aus Tokat, einer Stadt in Anatolien, ins Ruhrgebiet kam, war er nicht nur in den Augen der Deutschen ein „Gastarbeiter“. Auch er selber wollte nur Gast sein: ein Jahr in Deutschland arbeiten und sparen, und dann mit dem Ersparten zurück in die Türkei. Doch mein Vater blieb in Deutschland und holte seine Familie nach. So wie meinem Vater erging es den meisten.
Viele von ihnen werden erst im Sarg in ihre Heimat, d. h. in ihre alte Heimat, zurückkehren. So könnte mein Film beginnen: ein Sarg auf dem Flug in ein türkisches Dorf, von dem aus in einem Rückblick der Aufbruch in eine neue Welt erzählt wird. Im Mittelpunkt der Handlung soll die Lebensgeschichte einer starken Persönlichkeit stehen. Ich denke da an jemanden, den ich mal getroffen habe und der mir von sich erzählt hatte: Der Mann war verlobt. Für die Heirat brauchte er die Einwilligung des Vaters seiner Braut, und damals hatte in manchen Gegenden der Türkei das Einverständnis der Väter seinen Preis. Um das Geld aufbringen zu können, ging er nach Deutschland und arbeitete und sparte zwei Jahre lang. Wieder in der Türkei, sieht er seine ehemalige Verlobte mit einer kleinen Tochter. Er fährt zurück nach Deutschland und bleibt.
Ich habe viel über diesen Mann nachgedacht. Im Unterschied zu anderen Arbeitsmigranten kam er ohne Freunde und Bekannte in ein fremdes Land, ohne Sprachkenntnisse war er auf sich allein gestellt. Er schaffte es sich in der Fremde zurechtzufinden, weil er einen Lebensplan hatte. Doch dann erlebte er einen schweren Schicksalsschlag, mit allem, was er sich erwünscht und was er sich vorgenommen hatte, war er gescheitert. Wieder wagt er einen Neuanfang, diesmal, wie er weiß, einen endgültigen, und er ist wieder allein.
Er spricht heute hervorragend Deutsch.
Ich könnte mir vorstellen, diesen Mann zur Hauptfigur meines Films zu machen. |
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