Von Patrick Buber
Die Luft ist kühl und die Wiesen sind feucht an diesem spätsommerlichen Wochenende. Die Wolkendecke ist aufgerissen und die feuerrote Abendsonne spiegelt sich in der glatten Wasseroberfläche der Ruhr. Am Flussrand drehen ein paar Enten ihre Runden, lassen sich nicht stören von zwei Anglern, die geduldig ihr Glück versuchen. Spaziergänger sind unterwegs und aus der Ferne wabert Partymusik aus den siebziger Jahren von dem nahe gelegenen Campingplatz herüber. Ein friedlich stimmendes Idyll aus Dahlhausen an der Ruhr.
Rückblende: In diesem Augenblick erinnert nichts an die Massenrangelei auf den Ruhrwiesen am Pfingstsamstag, bei der über 60 Polizisten eingreifen mussten. Wo auf provozierende Äußerungen Bierflaschen flogen, ein Polizeiauto demoliert wurde und daraufhin mehrere Menschen festgenommen wurden. Nur knapp einen Monat später: Ein 15-jähriges Mädchen wurde von zwei jungen Männern ins Gebüsch gedrängt und vergewaltigt, die Täter konnten später gestellt und festgenommen werden.
Die Ereignisse alarmierten Politik und Ordnungsbehörden gleichermaßen, zumal sich vorher bereits Dahlhauser Bürger über die zunehmende Verschmutzung auf den Wegen und Wiesen beschwert hatten. Noch im Juni wurde ein „runder Tisch“ unter Leitung von Bezirksbürgermeisterin Doris Erdmann einberufen. Die Teilnehmer beschlossen ein ganzes Bündel an Maßnahmen für die Sommermonate: mehr Präsenz der Polizei durch Hundestaffeln und berittene Beamte, mehr Abfallbehälter und häufigere Entleerung durch das Umwelt- und Grünflächenamt sowie ein verstärkter Einsatz von Streetworkern seitens des Jugendamts.
Die konzertierte Aktion hatte Erfolg. Der tägliche Einsatz von Polizisten zu Pferde während des Sommers verhinderte weitere Zwischenfälle. Auch Jürgen Kotbusch vom Jugendamt zieht eine positive Bilanz: „Wir haben in den Sommermonaten die Jugendlichen an der Ruhr verstärkt begleitet und keine weiteren Ausschreitungen festgestellt.“ Und sauberer ist es seitdem an der Ruhr auch geworden.
Dass die Menschen im nächsten Jahr wieder ohne Angst die Ruhrwiesen nutzen können, dazu will Polizeioberkommissar Herbert Nagel als Bezirksbeamter für Linden seinen Beitrag leisten. „Wir werden die Lage an den Ruhrwiesen auch weiterhin im Auge behalten und in Kooperation mit den Ordnungsbehörden rechtzeitig eingreifen, wenn sich dort wieder etwas abzeichnen sollte“, verspricht er für das Jahr 2009.