| | Der Hedtberg: Waldsterben im Sturmschritt |
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(wog) Schlimmer hätte es nicht werden können. Im Frühjahr letzten Jahres wurde der Wald am Hedtberg durchforstet, seit dem 18. Januar 2007, als der Sturm Kyrill durch Nordrhein-Westfalen fegte, liegt der Eichen- und Buchenwald im wahrsten Sinne des Wortes am Boden. Gegen Kyrill hatten die Bäume keine Chance, selbst 20 bis 30 m große Riesen, die vor mehr als hundert Jahren hier gepflanzt worden waren, wurden mitsamt Wurzel aus dem Boden gerissen. Was der Jahrhundertsturm in dem Landschaftsschutzgebiet am Hedtberg hinterließ, war ein Trümmerfeld.
Eine Verkettung unglücklicher und nicht vorhersehbarer Umstände, sagen die einen. Ein von der Stadt Bochum verschuldetes Trauerspiel, meinen die anderen. Einig sind sich beide Gruppen im Blick nach vorn: Dahlhausen braucht den Wald am Hedtberg. Die Aufräumarbeiten sind im vollen Gange, im Herbst ist die Aufforstung geplant.
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Gesperrter Schulweg
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Zur traditionellen Waldbegehung der Bezirksvertretung Bochum-Südwest im Frühjahr waren etwa 50 Dahlhauser Bürger gekommen, so viele wie noch nie zuvor. Was fehlte, war der Wald - die Bäume waren von dem Sturm am 18./19. Januar 2007 umgelegt worden wie Mikadostäbchen. Wieso konnte Kyrill solch einen Schaden hinterlassen, wollten die aufgebrachten Bürger von den Vertretern der Verwaltung und der kommunalen Politik wissen. Haben Versäumnisse der Stadt und eine unplanmäßige und nicht sachgerechte Durchforstung im Jahr 2006 dazu geführt, dass der Sturm so einen großen Schaden am Hedtberg anrichten konnte?
Ja, es hätten Versäumnisse vorgelegen, sagte Stadtförster Lothar Kühnen. „Über 30 Jahre ist hier nichts gemacht worden. Die Bäume standen viel zu dicht." Ein Umstand, der sich auf den Hedtberg-Wald wegen des schwierigen Geländes besonders nachteilig auswirkte: Der Boden besteht aus Schotter, Mergel und Schiefer, darunter befindet sich Felsgestein. Die vor 100 Jahren gepflanzten Buchen und Eichen, die eigentlich Pfahlwurzeln, d. h. in die Tiefe gehende Wurzeln bilden, haben hier am Hedtberg breite Flachwurzeln entwickelt. Wegen der enormen Dichte ist es aber den nachwachsenden Bäumen nicht möglich gewesen sich zu entfalten und ihre Wurzeln auszudehnen, sodass es am Hedtberg viele Bäume mit dünnen Stämmen gab.
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Der Hedtberg 2005, Foto: Inge Luka
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Die Durchforstung im letzten Jahr war also längst überfällig. Allerdings ist es eine sehr aufwändige Aufgabe, einen viel zu dichten Wald gezielt auszulichten, dazu noch in Hanglage. Die beste, aber auch teuerste Lösung wäre gewesen, die gefällten Bäume mit einem Hubschrauber nach oben wegzuziehen. Doch das Geld für einen Hubschrauber hatte die Stadt nicht. Somit passierte folgendes: Bäume, die nach Plan gefällt wurden, rissen beim Stürzen Bäume, die eigentlich stehen bleiben sollten, um. Weitere Bäume wurden umgeworfen, als die auf dem Boden liegenden Stämme den Hang hinunter abtransportiert wurden. Es wurde also viel mehr Wald „gefällt", als von Förster Kühnen vorgesehen. Besonders merkwürdig empfanden die Dahlhauser Bürger, dass ausgerechnet die sechs Bäume, die am dringlichsten entfernt werden sollten, weil sie auf das Naturfreundehaus zu stürzen drohten, stehen blieben. Die Quittung für diese Unterlassung kam in der Silvesternacht: Eine 20 m hohe Buche durchschlug das Dach des Hauses.
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Hedtberg 2007
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Damit nicht genug - gemäß Murphys Gesetz ging schief, was immer schief gehen konnte. Drei bis vier Jahre hätten die Bäume nach der Durchforstung gebraucht, um ihre Wurzeln so im Boden zu verankern, dass sie auch schweren Stürmen und Orkanen standgehalten hätten. Den Platz, sich in der Erde entsprechend auszudehnen, hatten sie jetzt. Was sie nicht hatten, war die Zeit: In den Abendstunden des 18. Januars wurden die Bäume von Kyrill niedergemäht.
Der Verlust des Waldes hat die Wohnqualität vieler Dahlhauser beeinträchtigt. Für Spaziergänger und Wanderer wird der Hedtberg lange Zeit nicht mehr so attraktiv sein wie vorher. „Es ist zum Weinen", sagt eine ältere Frau, die auf der Dahlhauser Höhe wohnt, „selbst wenn jetzt aufgeforstet wird: Den neuen Wald werde ich nicht mehr erleben. Es wird Jahrzehnte dauern, bis der Wald nachgewachsen ist." Im Frühling und Sommer habe sie jedes Jahr die Erdbienen beobachtet, und sie zeigt auf eine Stelle, wo jetzt mehrere Baumstämme neben- und übereinander liegen. Andere erinnert der Hedtberg an einen gespenstischen Friedhof. „Eine Sauerei!" schimpft ein 72-jähriger Mann. „Ich bin in Dahlhausen direkt gegenüber vom Hedtberg geboren und habe immer in Dahlhausen gewohnt. Von daher weiß ich, dass bis letztes Jahr fast nie was in dem Wald gemacht worden ist. Und da war es zu spät." Eine Dahlhauser Familie, die Am Sattelgut wohnte, fühlte sich nach dem Schaden am Hedtberg so unwohl, dass sie sogar weggezogen ist, und zwar nach Hiltrop in die unmittelbare Nähe des Volksparks. „Wir lieben die Natur und wir wollen sie genießen. Da tut es weh zu sehen, wie die Landschaft direkt vor unserer Haustür zerstört worden ist", erklärt die Frau. Ihren Hund Timmy wird´s freuen, im Volkspark wird er sicherlich mehr Bäume finden.
Doch auch am Hedtberg sollen wieder Bäume wachsen. Pläne dazu gibt es, Gelder stehen auch zur Verfügung und die ersten Schritte sind bereits eingeleitet worden. Die dringlichste Aufgabe war zunächst das Areal wieder begehbar zu machen, nicht zuletzt auch deswegen, weil der Schulweg von Oberdahlhausen zum Schulzentrum an der Dr.-C.-Otto-Straße durch den Hedtberg führt. Bereits bei der Waldbegehung im Februar beschlossen die anwesenden Bezirksvertreter - die Verwüstung vor Augen und den verärgerten Bürgern Rede und Antwort stehend - 10.000 € für sofortige Aufräumarbeiten zu verwenden.
Inzwischen sind die umher liegenden Baumstämme herausgezogen worden und warten, sorgfältig gestapelt unten an der Straße, auf den Abtransport. Ein Teil des Hedtbergs ist bereits zur Begehung zugelassen. Nun hoffen die Kinder aus Oberdahlhausen, die das Schulzentrum in Unterdahlhausen besuchen, dass sie bald wieder ihren gewohnten Schulweg durch den Hedtberg gehen können.
Auch das Budget für die Instandsetzung des Geländes ist deutlich erhöht worden: 40.000 € stehen jetzt zur Verfügung, 30.000 € kommen von der Kommune, 10.000 € wurden von BP gespendet. Die Aufforstung im September kann damit starten. Stadtförster Lothar Kühnen will wieder Eichen und Buchen pflanzen, sie sollen von Kiefern unterstützt werden.
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