DiDah Dialog in Dahlhausen
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Murat Gemec (21)
Mit Glück in die richtige Ausbildung

„Meine Kollegen sind schwer in Ordnung“, sagt der Auszubildende Murat Gemec. Seine Kollegen, das sind die, die seit Monaten für Schlagzeilen sorgen. Sie sind Lokführer, und Murat wird aller Voraussicht nach im Mai nächsten Jahres ebenfalls zu dieser Berufsgruppe gehören. Lokführer zu werden stand zwar für ihn nicht an erster Stelle seiner Berufswünsche, aber mittlerweile weiß er, dass er eine gute Wahl getroffen hat. Wolfgang Grubert hat von Murat erfahren, warum.

Nach meinem Realschulabschluss wollte ich zunächst das Fachabitur an einer kaufmännischen Schule machen, habe dann aber festgestellt, dass auf dem Gebiet der Wirtschaft nicht meine Stärken liegen. Mir war inzwischen klar geworden, dass mich der technische Bereich mehr interessiert und hatte mich deshalb um eine Ausbildung als KFZ-Mechaniker oder Elektriker bemüht. Ich schrieb viele Bewerbungen, doch leider erfolglos. Über den Bruder meines Schwagers bin ich dann an die Ausbildung zum Lokomotivführer gekommen, er arbeitet bei der „Bahn und Hafen AG“, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn in Gladbeck, und ist dort Betriebsrat. Er hat mir erzählt, dass sie Auszubildende suchen. `Lokführer´, so hatte ich zuerst gedacht, `das ist einer, der vorne in der Lok sitzt und immer geradeaus fährt. Hört sich nicht gerade spannend an.´ Einen anderen Eindruck bekam ich von diesem Beruf, als mir mein Bekannter erzählte, wie die Ausbildung aussieht und welche Anforderungen an einen Lokführers gestellt werden. Also habe ich mich beworben. Nachdem ich die Einstellungstests bestanden hatte, bot sich mir in einer viermonatigen Probezeit umfassend Gelegenheit, alles kennen zu lernen. Der Bruder meines Schwagers hatte nicht übertrieben, es ist wirklich eine anspruchsvolle Ausbildung: Ich lerne die verschiedenen Bahn- und Gleisanlagen kennen, muss Bahnübergangssicherungsanlagen bedienen können, Rangieren, Wagen sichern, Triebfahrzeuge und Wagen kuppeln und entkuppeln, Signale kennen, Bremswege berechnen und Bremsproben durchführen, Ortskenntnisse haben … Ich werde wirklich bei vielen Aufgaben gefordert, und genau das habe ich mir gewünscht. Glück habe ich auch mit meinem Ausbildungsbetrieb gehabt, das Klima ist sehr gut und meine Kollegen sind in Ordnung.


Ausgebildet werde ich für den Güterverkehr, später kann ich eine 3-monatige Weiterbildung machen, um im Personenverkehr eingesetzt zu werden. Die Aussichten auf eine Beschäftigung nach meiner Abschlussschlussprüfung im nächsten Jahr sind sehr gut, als Lokführer findet immer Arbeit. Ich hatte so einen Berufsweg nicht geplant, ich bin da reingerutscht, aber heute bin ich froh, dass ich mich für diese Ausbildung entschieden habe.

Zwar haben für mich die beruflichen Perspektiven zurzeit absolute Priorität, aber dennoch gibt es für mich noch Freizeit. Die brauche ich auch, zum Beispiel für meine Musik und für den Fußball. Musik zu machen ist für mich mittlerweile fast lebensnotwendig geworden, dank des Stadtteilzentrums und der Unterstützung bekannter Musiker aus Dahlhausen konnten wir die Gruppe D-Taz gründen. Angefangen bin ich hier als Gitarrist, dann habe ich umgesattelt auf Schlagzeug. Fußball spiele ich schon fast von Kind auf bei Amacspor.


Wichtige Menschen? Es sind vor allem meine Eltern, mit ihnen verstehe ich mich absolut prima. Ich kann mich nicht erinnern, jemals richtig Stress mit ihnen gehabt zu haben. Meinen Eltern habe ich viel zu verdanken, mein Vater hat immer nur gearbeitet und gespart, um uns Kindern, das sind meine vier Schwestern und ich, möglichst viel zu ermöglichen. Freizeit kannte er nicht. Urlaub hat mein Vater nur in der Türkei gemacht, um seine Verwandten zu besuchen. Vielleicht gehen meine Eltern wieder zurück in Türkei, wo sie sich ein Haus gekauft haben, aber das kommt für sie erst in Frage, wenn ich, der Nachkömmling und als einziger von uns Kindern noch unverheiratet, einen Job und eine Familie habe.

Auch wenn mir mein Vater sehr viel bedeutet, so leben wie er, nur arbeiten und sparen, das möchte ich nicht. Ich bin neugierig, möchte möglichst viele Erfahrungen sammeln, Neues ausprobieren, immer wieder dazulernen, alles mitnehmen, was sich mir bietet. Deshalb arbeite ich auch in der Film- und Theatergruppe, die sich hier im Stadtteilzentrum zusammengefunden hat, mit. Und ich möchte viel reisen, nach Spanien z. B. oder nach Italien, andere Länder, andere Kulturen, andere Menschen kennen lernen. Mein Lebensmotto lautete schon immer: „Lebe, bevor es zu spät ist.“


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